Presse

Fast wie Bowie: „Davy Jones and the Crawlers from Venus“

Die Band auf Spuren des Ausnahmekünstlers spielt beim Altstadtfest – 04.06.2017

Viel musikalische Erfahrung auf einer Bühne: Das Bowie Project beim Auftritt im E-Werk Erlangen.

Viel musikalische Erfahrung auf einer Bühne: Das Bowie Project beim Auftritt im E-Werk Erlangen. © Band/privat

„Davy Jones and the Crawlers from Venus“ ist eine Fortentwicklung von Ziggy Stardust and the Spiders from Mars, eine der Langspielplatten, beziehungsweise dem Album des Glamrock schlechthin von David Bowie und eine seiner Kunstfiguren. Das „Bowie-Project“ nennen sich auch kürzer und eingängiger die „Crawlers“.

Sie sind in dieser Konstellation noch nicht allzu oft aufgetreten, fünf Mal vielleicht insgesamt, auch mit technischen Hindernissen beim Gig in den Räumen der Musikinitiative auf der Music Base an der Nutzung, was der Begeisterung dort keinen Abbruch tat. Bei einem Auftritt im Erlanger E-Werk zollte ein Publikum von 200 Leuten der Band großen Applaus.

Erzählten Hintergründe: Keyboarder Stefan „Zico“ Ziegler (l.) sowie Sänger und Gitarrist Hannes Welsner aus Erlangen beim NN-Redaktionsbesuch. F.: Ralf Rödel

Erzählten Hintergründe: Keyboarder Stefan „Zico“ Ziegler (l.) sowie Sänger und Gitarrist Hannes Welsner aus Erlangen beim NN-Redaktionsbesuch. F.: Ralf Rödel

Allerdings: Die Band trat dort selbst als Veranstalter auf. Gema-Gebühren, Saalmiete, Technik und Licht verschlangen die Einnahmen  so ziemlich. Davon abgesehen:

Das Kenner-Publikum war erstaunt und begeistert, wie kongenial und doch neu interpretiert die Songs übertragen wurden und welche Wirkung sie entfalteten.

Die Band betritt die Bühne. Es sind Hannes Welsner, der Sänger und Gitarrist, der die Songs von David Bowie rüberbringen muss und das wirklich überzeugend tut.

Mit „Bread & Butter“ hat der Erlanger Architekt schon lange eine eigene Band, komponiert, schreibt Songs. Stefan „Zico“ Ziegler, von Beruf Sportwissenschaftler, einer der Musiker aus Herzogenaurach, Keyboarder und Sänger, hätte beinahe eine musikalische Berufslaufbahn ans Konservatorium eingeschlagen.

Am Schlagzeug sorgt Alfred Deutinger souverän für den Rhythmus. Er erhielt seine Grundausbildung auch an der Musikschule in Herzogenaurach. Von Beruf ist er Geologe.

Dazu kommt eine starke Fraktion aus Altdorf. Oliver Spieß ist Profi-Vollblutmusiker, Gitarrenlehrer, spielt Solo-Gitarre und singt. Rolf Scharrer spielt den Bass, auch er ist am Chorgesang beteiligt.

Ferner wirken mit Robert Holzmann (Saxofon, Percussion) und die junge Mila Fischer (Backroundgesang), sowie seit neuestem Alicia Madlangbayan, eine weitere junge Sängerin aus Herzogenaurach.

Die Bandmitglieder verstehen sich nicht als Apologeten des vielschichtigen, wandlungsfähigen Künstlers oder als „Bowie Cover Band“.

Sie führen lediglich das facettenreiche Werk zusammen, das David Bowie, bürgerlich David Robert Jones, als Schauspieler („Der Mann, der vom Himmel fiel“), bildender Künstler und einflussreicher Performer hinterließ.

Geschätzt einige Hundert Stücke stammen aus seinem Nachlass, ein Rocklexikon bezifferte diesen ein paar Jahre vor seinem Tod auf 24 Studioalben, neun Livealben und 45 Compilations. Überdies hat sich David Bowie in Filmen und kreativen Videos ins kollektive Rock-Gedächtnis eingeschrieben. Ein Fundus an Material, aus dem noch vieles unbekannt ist.

Nach dem Altstadtfest sind „Davy Jones and the Crawlers from Venus“ in nächster Zeit auch im Z-Bau in Nürnberg (30. Juni) zu hören und im Bamberger Live-Club (8. Dezember). Dort kann man das volle Programm der Band erleben.

EDITH KERN-MIEREISZ

Anspruchsvolles Konzert im Brauhaus

In die Düsternis entführt

Space Calzone lieferten wabernden, schneidenden und düsteren 80er Sound. | Foto: Wiech

ALTDORF – Die Band Space Calzone tauchte am Wochenende ein in die düstere Welt von The Cure, Davy Jones zollten dem unlängst verstorbenen Genie David Bowie Tribut. Beide waren am 24. September im Brauhaus in Altdorf zu erleben und sorgten für einen frühzeitig im Vorverkauf ausverkauften Konzertabend.

Was zahlreiche Altdorfer nicht daran hinderte, noch direkt vor Konzertbeginn vor dem Brauhaus auf eventuell frei werdende Karten zu spekulieren. Bei den milden Temperaturen war das aber bestimmt kein unangenehmer Zeitvertreib und erhöhte eigentlich nur den Charme des Brauhauses als Konzertlocation von nicht nur hoher musikalischer, sondern auch sozial-unterhaltender Qualität. Es zeigt in jedem Fall, dass das gut eingespielte und stets entspannte Team des gemeinnützigen Vereins Brauhaus Altdorf e.V. wieder ein gutes Händchen bei der Programmgestaltung bewiesen hat.

Space Calzone eröffneten – gut gekleidet – den Abend und stellten vom ersten Takt an klar, was hier für die nächste Stunde Motto sein würde: Mal wabernder, mal schneidender, vor allem aber düsterer 80er Jahre Wave-Sound der Gothic-Überväter The Cure, den man in der Form wenn überhaupt, dann doch selten live zu Gehör bekommt. Die Entscheidung von Schlagzeuger Wolfgang „Makro“ Ziegelmeier, mit elektrischem Drumset aufzutreten, erwies sich als goldrichtig. Doch was auf Platte oder CD aufgrund der doch schon weiter zurückliegenden musikalischen Ära bisweilen dünn und aseptisch klingt, entfaltet live einen satten, unerbittlichen Groove, der ganze Songs von Anfang bis Ende trägt. Dies liegt natürlich auch an den kompetenten Händen des Mischers Jens Hain, der wie immer einen astreinen Sound zaubert. Den präzise wummernden Bassgroove zum Schlagzeug liefert Günther „Emil“ Ebert, der kaum auffällt und allein schon deshalb als Bassist alles richtig macht.

Dichte Klangteppiche

Die gotischen Klanggewölbe der Cure-Songs bauen bei Space Calzone Jürgen „Mikro“ Ziegelmeier und Stefan „Alf“ Albrecht nach, und dies auf wirklich kongeniale Art und Weise. Die beiden weben zusammen dichte Klangteppiche, aus denen sich die charakteristischen Riffs der Songs von Robert Smith und Kollegen herausschälen. Und überhaupt, Robert Smith. Den Platz des charismatischen Sängers und Frontmanns nimmt an diesem Abend Jörg „Jaggl“ Himmelseher ein, der vielleicht am meisten gefeierte Musiker an diesem Abend. Wie er, ohne Smith zu imitieren, genau dessen eigenwillige Intonation und Melodieführung trifft, ist schlicht beeindruckend und sitzt wie die Faust aufs gruftig geschminkte Auge. Auch die Gesten und Mimik sitzen, unterstreichen die Lyrics und entstammen einer tiefen Bewunderung für The Cure. Ziel war auch, so Himmelseher, nicht deren punkige Seite zu zeigen, was sie auch gern getan hätten, sondern das Publikum in die Düsternis zu entführen. Das gelingt hervorragend unter Vermeidung allzu nahe liegender Cure-Gassenhauer wie

„Boys Don’t Cry“ und „Friday I’m In Love“ (das der Rezensent zugegebenermaßen dann doch gerne gehört hätte). Stattdessen gibt es das geniale „Lullabye“, „Three Imaginary Boys“, „Fascination Street“ und „A Forest“. Weiß Gott keine leichte Kost, die auch nur wenigen Anwesenden im Publikum bekannt gewesen sein dürfte. Doch die Zuhörer drängten dicht an die Bühne, tanzten, jubelten, forderten mehr und immer mehr von der Band. Denn Space Calzone gelang es hervorragend, die wuchtige, tanzbare, emotional packende Seite der an sich introspektiven und vom verzweifelten Alleinsein lebenden Songs von The Cure spürbar zu machen.

Jede Depression wird erträglich – und kann vielleicht sogar ins Gegenteil verkehrt werden – wenn sie externalisiert und gemeinschaftlich geteilt wird. Space Calzone bedankten sich verschwitzt und glücklich bei einem hervorragenden Publikum und kündigten euphorisch Davy Jones and the Crawlers From Venus an.

Ähnlichkeit mit Bowie

Hannes Welsner, bekannt als Leadsänger von Bread & Butter, an diesem Abend zuständig für Gesang und Gitarre bei Davy Jones bedankte sich onstage bei Space Calzone für ein großartiges Konzert. Der erste augenscheinliche Trumpf, mit dem die einzige David Bowie-Coverband der Metropolregion aufwarten kann, ist, dass sie gleich zwei Bandmitglieder haben, die David Bowie irgendwie ähnlich sehen: Welsner selbst und Keyboarder Stefan „Ziggo“ Ziegler.

Der zweite ist selbstredend die Besetzung aus erfahrenen Kapazitäten ihres Fachs: Neben Welsner und Ziegler stehen mit Fred Deutinger (Drums), Rolf Scharrer (Bass) und Oliver Spieß (E-Gitarre) ausschließlich Meister ihrer Zunft auf der Bühne. Und die braucht es auch, damit die sperrigen und anspruchsvollen Songs von Bowie angemessen gespielt werden können. Das gelingt bravourös, und das muss den Jungs auch erst mal einer nachmachen.

„Ashes To Ashes“, „The Man Who Sold The World“, „Starman“, „All The Young Dudes“, den besonders toll dargebotenen „Ziggy Stardust“ – das alles hört man gern – aber halt so selten. Beide Coverbands an diesem Abend machen es sich mit ihren Konzepten schwer und zeigen, dass es sich lohnt. Davy Jones and the Crawlers From Venus haben sich, so Welsner, nach dem Tod des großen Bowie formiert, um die Fackel auf bescheidene Weise weiterzutragen und das Werk des Visionärs zu würdigen.

Besonders reizvoll sei dabei die Gratwanderung Bowies zwischen eingängigem Pop und sperrigem Progrock. Eingängigen Melodien folgen Rhythmuswechsel oder Tonartsprünge, die laut Oliver Spieß nicht intuitiv zu meistern sind, sondern schon bewusst mitgedacht werden müssen. Man muss also aufpassen und mitdenken, und das nicht nur als Musiker, sondern auch als Zuhörer. Bowie fordert, umso dankbarer ist das Publikum für die Zugaben „China Girl“ und „Heroes“. Insgesamt ein tolles Programm, eine tolle Songauswahl aus dem kaum zu überblickenden Werk eines Genies der Popmusik. Wie Space Calzone holen auch Davy Jones die leicht verkopften Kompositionen auf die Erde, bringen das euphorische Publikum zum Tanzen und Grooven, zeigen den Schweiß, der in den Songs steckt.

Am Ende ist man gelöst und glücklich, einen emotional und intellektuell anspruchsvollen Konzertabend, gleichsam einen Themenabend über Klassiker des britischen Pop, miterlebt und dabei auch noch getanzt zu haben.
Weiter geht’s im Brauhaus am 8. Oktober mit einem eher zünftig fränkischen Thema: „Bier gewinnt“ heißt da das Motto, Lieder und Geschichten rund ums Bier vom Trio „Lambertz Saam Richter“. Eines kann sich der geneigte Konzertbesucher vielleicht notieren: Es lohnt sich, sich rechtzeitig um Karten zu kümmern.

Jörg Szameitat

N-Land Der Bote
Der Bote